Digitale Kommunikation – Das Verschmelzen zweier Welten

16. November 2021

Mit anderen Personen in Austausch zu treten, im Sinne eines für den individuellen Bedarf sinnvollen Maßes, stellt eines der grundlegendsten Bedürfnisse des Menschen dar. Auch wenn die individuelle Ausprägung und Ausgestaltung von Person zu Person differiert, spielen im Leben der überwiegenden Mehrheit jedoch Beziehungen und Kontakte zu anderen anderen Menschen eine integrale Rolle.

Die Art und Weise, wie Menschen soziale Kontakte aufbauen und pflegen hat sich mit Aufkommen des Internets nachhaltig verändert. Waren es noch vor wenigen Jahrzehnten Begegnungen im realen Leben, hat sich mittlerweile sehr vieles auch in eine digitale Welt verlagert.

Angefangen mit ersten Online Foren und Chatrooms, fand digitale Kommunikation anfänglich vor allem über Heim-Computer statt. Trotz steter Weiterentwicklung seit erstmaligem Aufkommen, war die grundsätzliche Struktur der digitalen Kommunikation sehr ähnlich zu jener, wie wir sie heute kennen. Auf der einen Seite gleichzeitige 1-to-many-Kommunikation, also das Teilen von Inhalten mit einer Vielzahl an (oftmals unbekannten) Nutzer:innen, auf der anderen Seite 1:1-Kommunikation, also der private Austausch mit bestimmten Personen. Durch die stete Zunahme an digitalen Angeboten erfreuten (und erfreuen) sich beide virtuellen Kommunikationsformen seit Anbeginn steigender Beliebtheit.

Ebenso nicht geändert hat sich das grundlegende Bedürfnis von Menschen nach sozialen Beziehungen aller Art. Die Grenzen zwischen offline und online begannen jedoch stetig weiter zu verschwimmen und es wurde bis heute größtenteils die Norm, flexibel zwischen beiden Welten zu pendeln.

Wie sehr sich die Art und Weise, wie Menschen miteinander in Kontakt treten und kommunizieren, verändert hat, zeigt sich gut an den nachfolgenden Beispielen.

Arbeit

Eine Vielzahl an Jobs kann dank des Internets und darauf aufsetzender Softwarelösungen mittlerweile unabhängig vom tatsächlichen Standort durchgeführt werden. Dieser Trend bestand bereits vor der Corona-Pandemie, wurde durch diese enorm befeuert und wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Verdeutlicht wird dies etwa dadurch, dass während die Video-Meeting-Applikation ‚Zoom‘ noch im Herbst 2019 bei rund 10 Millionen täglich aktiven Usern stand, dies bereits im März 2020 200 Millionen an der Zahl waren. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Trend auch in Zukunft weiter zunehmen wird. So erwartet etwa ‚Facebook‘ (beziehungsweise nun ‚Meta‘), dass im Jahr 2030 über die Hälfte der Mitarbeiter:innen zu 100 Prozent ortsunabhängig tätig sein werden. [1][2]

Dating

Auch die Art und Weise, wie Menschen Lebenspartner kennenlernen, hat sich über die letzten Jahre grundlegend verändert. Spielten vor 1-2 Jahrzehnten vor allem noch gemeinsame Freunde oder Begegnungen in Bars und Diskotheken eine herausragende Rolle, wurden und werden diese immer stärken von digitalen Plattformen abgelöst. Von jenen Beziehungen, welche in den letzten fünf Jahren in Deutschland (über alle Altersgruppen hinweg) eingegangen wurden, fanden sich bereits über ein Drittel auf digitalen Wegen – Tendenz steigend. Ein folglich gegenteiliger Trend ist bei jenen Beziehungen zu erkennen, welche beim abendlichen Ausgehen entstanden – deren Anteil ist von 22 Prozent vor der Jahrtausendwende auf gegenwärtig etwa 10 Prozent zurückgegangen. [3]

Kontakte und Beziehungen

Und auch Kontakte und Beziehungen freundschaftlicher Natur unterliegen einem starken Wandel. War es bis vor einiger Zeit noch die Norm, Kontakte, vor allem privater Natur, im engen oder maximal im erweiterten Umfeld zu knüpfen, sind vormals bestehende Grenzen mittlerweile stark aufgeweicht worden. Durch Aufkommen sozialer Netzwerke und anderer digitaler Angebote dieser Art, wie etwa auch Fyrabend, knüpfen Menschen mittlerweile Kontakt unabhängig von gemeinsamen Bekanntenkreisen, geographischen Entfernungen und teilweise sogar über sprachliche Barrieren hinweg.

Aufgrund der exponentiellen Entwicklungen in Bezug auf technologische Innovationen ist der mittelfristige Blick getrübt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass bereits in 10 Jahren neue Formen der Kommunikation und zwischenmenschlichen Vernetzung präsent sein werden, welche derzeit maximal in den Köpfen einiger visionärer Personen existieren.  Als aktuelles Beispiel dafür kann etwa Facebooks Ankündigung angesehen werden, mit einer virtuellen Welt namens Metaverse die Grenzen zwischen real und virtuell weiter zu verschmelzen. [4] 

Insgesamt wird mehr als deutlich, dass der Austausch innerhalb einer digitalen Welt nicht nur laufend an Bedeutung gewinnt, sondern auch dessen Akzeptanz und Normalität stetig zunehmen. Und ein Ende dieser Entwicklung nicht in Sicht. Etwaige Stigmata, welche viele Personen die Kontaktaufnahme und -pflege über virtuelle Kanäle zunächst noch mit Argusaugen betrachten ließen, weichen immer mehr zugunsten allgemeiner Akzeptanz eben dieser. Aus dem Pendeln zwischen realer und virtueller Welt, wie wir es derzeit kennen, wird also auf absehbare Zeit vielmehr eine Verschmelzung beider Umgebungen zu einem gesamtheitlichen Erlebnis.

[1]https://www.cnbc.com/2020/04/23/zoom-shares-pop-after-users-grow-from-to-300-million.html
[2] https://www.nbcnews.com/tech/tech-news/mark-zuckerberg-half-facebook-may-work-remotely-2030-n1212081
[3]https://www.mynewsdesk.com/de/elitepartner/pressreleases/trendwende-immer-mehr-paare-lernen-sich-online-kennen-freundeskreis-nur-noch-auf-platz-zwei-3070821
[4] https://www.theverge.com/22588022/mark-zuckerberg-facebook-ceo-metaverse-interview